Der Verkaufspreis eines Buches landet nicht vollständig beim Autor. Je nach Veröffentlichungsweg werden Handel, Plattform, Druck, Verlag, Dienstleister, Steuern und Marketing bezahlt. Deshalb musst du drei Begriffe trennen: Umsatz, Erlös beziehungsweise Honorar und Gewinn.
Verdienst im Verlag
Verträge können einen Vorschuss und prozentuale Honorare für verschiedene Ausgaben enthalten. Berechnungsbasis kann der Netto-Ladenpreis oder der tatsächliche Verlagserlös sein; die Wirkung ist unterschiedlich. Ein Vorschuss wird üblicherweise mit späteren Honoraren verrechnet. Neben Print können E-Book, Hörbuch, Übersetzung und Nebenrechte eigene Sätze haben.
Prüfe Definitionen, Abrechnungsrhythmus, Rückstellungen, Remissionen und Rechteübertragung genau. Branchenverbände oder spezialisierte Rechtsberatung können bei Verträgen helfen.
Verdienst im Selfpublishing
Plattformen nennen häufig einen Prozentsatz, ziehen aber je nach Produkt Druck- oder Lieferkosten, Steuern und weitere Beträge ab. Bei einem Paperback lautet die vereinfachte Logik:
Autoren-Erlös = berechnungsrelevanter Verkaufspreis × Vergütungssatz – Druckkosten – gegebenenfalls weitere Gebühren.
Aktuelle Sätze und Bedingungen musst du beim Anbieter prüfen. Für den Produktionsprozess siehe Amazon KDP.
Beispiel ohne Anbieter-Versprechen
Angenommen, nach Plattformanteil und Herstellung bleiben dir 4 Euro pro verkauftem Exemplar. Bei 500 Verkäufen sind das 2.000 Euro vor eigenen Projektkosten und Steuern. Hast du 1.500 Euro für Lektorat, Cover, Satz und Werbung ausgegeben, verbleiben rechnerisch 500 Euro vor Steuer und vor Bewertung deiner Arbeitszeit.
Kosten, die oft vergessen werden
- Lektorat, Korrektorat und Sensitivity Reading;
- Cover, Buchsatz, Illustration und Lizenzen;
- ISBN, Probeexemplare, Versand und Veranstaltungen;
- Werbung, Newsletter- und Webseitentools;
- Steuern, Buchhaltung und gegebenenfalls Sozialabgaben;
- die eigene Arbeitszeit.
Warum mehrere Formate und Bücher wichtig werden
Ein Titel kann über Print, E-Book, Hörbuch oder Rechte unterschiedliche Erlösströme erzeugen. Serien profitieren von Read-through: Marketing für Band eins kann spätere Bände mitverkaufen. Eine Backlist verteilt Sichtbarkeit und Risiko. Das heißt nicht, Qualität durch Menge zu ersetzen.
Break-even berechnen
Teile deine einmaligen Projektkosten durch den erwarteten Deckungsbeitrag pro Exemplar. 2.400 Euro Kosten bei 4 Euro Beitrag ergeben 600 Verkäufe bis zum rechnerischen Break-even. Laufende Werbekosten müssen separat pro Verkauf berücksichtigt werden.
Umsatz ist nicht Lebensunterhalt
Schwankende Verkäufe, lange Produktionszeiten und Steuern machen Monatsprognosen unsicher. Plane konservativ, halte private und geschäftliche Finanzen getrennt und bilde Rücklagen. Nutze Buchmarketing als messbares System statt als Hoffnung auf einen viralen Treffer.
Hinweis: Die Beispiele sind vereinfachte Rechenmodelle und keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Verträge, Plattformbedingungen und Steuersituation sind individuell und können sich ändern.
Trenne Umsatz, Tantieme, Gewinn und verfügbares Einkommen
„Das Buch hat 10.000 Euro gemacht“ kann vier verschiedene Dinge meinen. Umsatz ist der Verkaufspreisstrom. Tantieme ist die vertraglich oder plattformseitig berechnete Vergütung. Gewinn berücksichtigt Kosten. Verfügbares Einkommen entsteht erst nach betrieblichen Ausgaben, Steuern, Sozialabgaben und Rücklagen. Vergleiche niemals eine Verlagsprozentzahl direkt mit einer Selfpublishing-Rate, ohne die jeweilige Berechnungsbasis und Kosten zu kennen.
| Ebene | Vereinfachte Formel | Typische blinde Stelle |
|---|---|---|
| Print-Tantieme | Rate × relevante Preisbasis − ggf. Druckkosten | Rate gilt nicht zwingend auf Ladenpreis |
| E-Book | Rate × Nettobasis − ggf. Lieferkosten | Territorium, Preisband und Programmregeln |
| Projektgewinn | Tantiemen − Lektorat − Cover − Satz − Werbung − Tools | Eigene Arbeitszeit fehlt |
| Stundenwert | Projektgewinn ÷ Arbeitsstunden | Backlist wirkt über mehrere Jahre |
| Cashflow | Zahlungseingänge − fällige Ausgaben | Auszahlungen kommen zeitversetzt |
KDP-Beispiele zeigen, warum Preisbasis zählt
KDP berechnet Printvergütung aktuell mit 50 oder 60 % des steuerfreien Listenpreises im Standardvertrieb – abhängig von Preis und Marktplatz – abzüglich Druckkosten. Für E-Books gibt es 35- und 70-%-Modelle mit Bedingungen; beim 70-%-Modell fallen Lieferkosten an. Das sind Plattformregeln, keine Aussage darüber, was „ein Autor“ allgemein verdient.
Verlagsvertrag: Prozent ohne Definition ist unvollständig
Prüfe, worauf sich die Beteiligung bezieht: Ladenpreis, Nettoverlagserlös oder andere Basis. Achte auf Staffeln, Formate, Nebenrechte, Vorschussverrechnung, Abrechnungsrhythmus, Prüfungsrechte, Rückstellungen und Rechte-Rückfall. Ein höherer Prozentsatz auf eine schmalere Basis kann weniger ergeben als ein niedrigerer Satz auf eine breitere.
Einkommensfragen
Wie viele Bücher muss ich verkaufen, um davon zu leben?
Das hängt von Deckungsbeitrag, Fixkosten, Steuern, Lebenshaltung, Backlist und weiteren Einnahmen ab. Rechne vom benötigten Jahresgewinn rückwärts, nicht von einer pauschalen Stückzahl.
Ist Selfpublishing immer lukrativer?
Die Rate kann höher sein, aber du trägst Produktion, Risiko, Vertrieb und Arbeit. Entscheidend ist der Gewinn bei vergleichbarer Qualität und Reichweite.
Zählt ein Vorschuss als zusätzliches Geld?
Üblicherweise wird er gegen spätere Tantiemen verrechnet. Vertragsdetails entscheiden; lass unklare Klauseln fachkundig prüfen.